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Unrasiert
Mein erstes Vorstellungsgespräch fand statt während ich meinen Grundwehrdienst absolvierte. Ich hatte für diesen Tag frei bekommen und meinte eigentlich gut vorbereitet zu sein. Zwei nette Herren des mittelständischen Industrieunternehmens, welches in einem großen, weltumspannenden Konzern eingegliedert war, saßen mir gegenüber. Das Gespräch begann mit folgender Frage: „Hatten Sie heute morgen keine Zeit sich zu rasieren?“. Soweit ein guter Einstand... An den genauen Wortlaut meiner Antwort erinnere ich mich nicht mehr, aber es war ein auf Schadensbegrenzung ausgerichtete Gestammel.
Die Erinnerung setzte wieder ein, mit der nächsten Frage, die fast immer einem Bewerber um einen Ausbildungsplatz gestellt wird: „Warum möchten Sie gerade bei uns ihre Ausbildung absolvieren?“. Hätte ich mich bei der Antwort bloß auf die harten Fakten beschränkt, die ich mir kurz vorher aus den herumliegenden Prospekten im Warteraum angelesen hatte. Am Ende kamen dann so Äußerungen von mir wie: „...Bereitstellung von Ausbildungsplätzen...soziale Verantwortung...“.
Nach meinen Interessen gefragt, war mein Mundwerk schon ziemlich lose. Mein Interesse galt hauptsächlich Computern. Während meiner Schulzeit in der Oberstufe habe ich jede Gelegenheit genutzt mich bei den Wirtschaftsassistenten Schwerpunkt Informatik einzuschleichen. Mein damaliger Klassenlehrer leitete auch die Klasse dieses auf schulischer Ausbildung basierenden Berufes. Wir haben mit Pascal um die Wette programmiert und einzelne, gut zu verwendende Programme und Simulationen sind auch dabei entstanden. „Warten Sie mal. Ich sehe, Sie haben sich als Industriekaufmann beworben.“, wurde ich unterbrochen. Dann versuchte ich noch etwas zu retten, indem ich auf meine fundierte Ausbildung im wirtschaftlichen Bereich verwies, so fundiert eine schulische Ausbildung sein kann auf einem Fachgymnasium mit der Fachrichtung Wirtschaft.
Zum Schluss des Gespräches bedauerten die beiden Herren, dass sie mir keine Ausbildung zum Industriekaufmann anbieten könnten. Dennoch gäbe es die Möglichkeit einen Ausbildungsplatz zu bekommen, wenn auch nicht zu den gleichen Konditionen wir ein normaler Auszubildender. Diese Ausbildung würde dann zu dem Berufsabschluss des Informatikkaufmanns führen. Dieses Angebot konnte ich nicht ablehnen.